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167 Demokratisch, demokratischer - oder doch nicht?

Matthias am Samstag, 26. September 2009 um 21:23

Der Denkfehler in meinen Überlegungen war natürlich der, dass Kandidaten nur dann über die Liste in den Bundestag kommen, wenn es in dem Bundesland weniger Direktmandate für die Partei gab als ihr durch die Zweitstimmen zustehen. Das hat besonders für die CDU-Kandidaten Folgen, denn dort ist in Baden-Württemberg bei der Wahl vor vier Jahren kein Kandidat über die Landesliste in den Bundestag eingezogen (im Gegenteil, dort gab es sogar Überhangsmandate). Anders gesagt, Ingo Wellenreuther ist im Gegensatz zu den Kandidaten der anderen Parteien voll darauf angewiesen, das Direktmandat zu gewinnen. (Ich werd ihn aber trotzdem nicht wählen).

Es ist ja nun so, dass nur die Hälfte des Bundestages direkt gewählt wird. Die andere Hälfte kommt über die Landeslisten rein, was mein Demokratieverständnis empörend findet. Hey, die Parteien können Lobbyisten und Idioten und Dösköppe aufstellen, und die regieren uns ohne gewählt worden zu sein! Im Laufe dieser Woche habe ich Empörung Empörung sein lassen und darüber nachgedacht, welches System besser wäre. Eine Idee war, nur die Direktkandidaten zu nehmen. Das fand ich gut, bis ich näher darüber nachgedacht habe.

Wie sähe die Sitzverteilung im Bundestag dann aus? Die SPD hätte 145 Sitze, CDU/CSU 150 (und damit knapp die absolute Mehrheit), die Grünen hätten einen Sitz und die Linken drei. Die anderen Parteien (also die FDP) hätten keinen Sitz mehr im Bundestag. Die Verhältnisse wären also ziemlich andere, zu Ungunsten der kleinen Parteien. (Ist das eigentlich schlimm?)

Mein Demokratieverständnis hat sich wieder gemeldet und angemerkt, dass es so aber sein könne, das im Bundestag nur Abgeordnete sitzen, die in ihrem Wahlkreis nur von 20% der Leuten gewählt wurden. Ein guter Einwand, meine ich, wie könnte man das lösen? Na, wie macht man's bei den Bürgermeistern? Es gibt eine Stichwahl.

Dann ist mir eine andere Idee gekommen. Nicht nur der die meisten Stimmen in einem Wahlkreis bekommen hat ist gewählt, sondern auch der mit den zweitmeisten Stimmen. Das aber bringt auch nichts, weil dieses System quasi bedeutet, dass in jedem Wahlkreis ein Kandidat von der SPD und einer von der CDU gewählt wird.

Ich habe also eingesehen, dass es gar nicht so leicht ist, mein Demokratieverständnis zufriedenzustellen. Aufgeben will ich noch nicht, aber für die Wahl morgen akzeptiere ich das derzeitige System.